HAARE UND HAARAUSFALL
ALLGEMEINES ÜBER HAARAUSFALL
Der Haarwuchs
Ein Mensch hat zwischen 80.000 und 120.000 Haare auf dem Kopf. Anzahl,
Beschaffenheit und Farbe der Haare sind genetisch bestimmt.
Die Hauptaufgabe des Haares ist es, die kleinen blutleitenden Kapillare,
die die Körpertemperatur regulieren, zu isolieren. Jedes einzelne
Haar fängt unter der Haut in der Wurzel des Haarbalges,
der “dermal papilla“, an.
Die Papilla enthält Zellen, die Nahrung und Aminosäuren aufnehmen, die für das Wachstum des Haares notwendig sind.
Über der Papilla ist die Matrix, in der die Haarzellen in großer Menge produziert werden. Während die Haarzellen produzieren und nach oben gedrückt werden, sterben sie langsam ab, während sie gleichzeitig ein sehr hartes Protein, das Keratin, bilden. Dieses bildet sich in langen parallelen Saiten im inneren der Zellen und wird von chemischen Verbindungen, den sogenannten disulfiden Bindungen, zusammengehalten.
Während die Keratinzellen nach oben gedrückt werden, zeichnen
sich im Haarschaft deutlich drei Schichten ab: Medulla, Cortex und Cuticle.
Der Kern, oder die zentrale Schicht, heißt Medulla.
Sie besteht aus großen, kugelförmigen Zellen, die mit „Luftbeuteln“
verflochten sind. Sinn und Zweck dieses schwammigen Kerns ist bis heute
nicht bekannt.
Die Medulla wird von einer Schicht, die Cortex heißt, umschlossen.
Sie besteht aus spindelförmigen, abgestorbenen Zellen, die mit
Keratin angefüllt sind. Diese Schicht bestimmt den Haartyp, die
Substanz und die Farbe.
Die äußerste schützende Schicht der Haarwurzel ist die Cuticle, die aus ca. 7 übereinander liegenden Schichten abgestorbener Zellen, die mit hartem, halb durchsichtigem Keratin angefüllt sind, besteht.
Wenn das Haar die Hautoberfläche erreicht, haben sämtliche Zellen bereits den Prozess vom Lebenden bis Abgestorbenen durchlaufen und sind mit Keratin angefüllt. Mit dem Verlauf dieses Prozesses wächst das Haar nun weiter.
Der Haarausfall
Man spricht von Haarausfall, wenn täglich mehr als 100 Haare ausfallen und ein erheblicher Unterschied zwischen der Anzahl abgestoßener und nachgewachsener Haare besteht. Ein paar Haare im Waschbecken oder in der Bürste belegen demnach noch keinen Haarausfall.
Die Grenze zwischen natürlichem Haarausfall und therapiebedürftigem
Haarausfall verläuft fließend. Ein gewisses Maß an
Haarverlust ist völlig natürlich, schließlich erneuert
sich das einzelne Haar ständig.
Jede Haarwurzel durchläuft einen Zyklus aus Wachstum (Anagenphase),
Ruhephase (Katagenphase) und Haarausfall (Telogenphase). In der Anagenphase
wird das Haar über die Wurzel mit Nährstoffen versorgt, in
der Katagenphase wird die Versorgung des Haars gestoppt und in der Telogenphase
wird das Haar schließlich abgestoßen. Ab einem Verlust von
etwa 60 Prozent des Haupthaars spricht man von Alopezie - dem so genannten
Zustand der Haarlosigkeit. Jeder zweite Mann leidet unter mehr oder
weniger starkem Haarausfall.
Der Verlauf des Haarausfalls vollzieht sich meist nach einem bestimmten Muster. Zu Beginn entwickeln sich die "Geheimratsecken", dann kommt es im Bereich des oberen Hinterkopfs (Vertexbereich) zu einer Haarlichtung. Das Zusammenlaufen der Stirn- und Hinterkopf-Lichtung führt schließlich zur "Glatze". Lediglich die Haare im unteren Schläfenbereich und am Hinterkopf bleiben erhalten.
Das Phänomen des immer lichter werdenden Haupthaars ist keineswegs
allein auf das männliche Geschlecht beschränkt. Auch Frauen
kämpfen häufiger mit Haarausfall als gemeinhin angenommen
wird.
Besonders schwerwiegend ist der weibliche Haarausfall aufgrund der Tatsache,
dass er weit weniger gesellschaftlich akzeptiert ist als der männliche.

